Ratgeber
Rettungssanitäter-Prüfung vorbereiten – Schritt für Schritt
Wie die Ausbildung zum Rettungssanitäter aufgebaut ist, was Zwischen- und Abschlussprüfung verlangen und wie du in jeder Phase am besten lernst. Ausgerichtet auf die Ausbildung in Tirol, die Prüfungsregeln gelten in ganz Österreich.
Die Ausbildung im Überblick
Die Ausbildung zum Rettungssanitäter umfasst 100 Stunden Theorie und 160 Stunden Praktikum. Geregelt ist sie in der Sanitäter-Ausbildungsverordnung (San-AV), die für ganz Österreich gilt. Für Zivildiener im Rettungsdienst steht sie meist gleich am Anfang des Dienstes.
- Theorie (100 Stunden): Erste Hilfe und erweiterte Erste Hilfe, Anatomie und Physiologie, Vitalfunktionen, Krankheitsbilder und spezielle Notfälle, Hygiene, Gerätelehre und Sanitätstechnik, Rettungswesen, Recht sowie Katastrophen, Großschadensereignisse und Gefahrgutunfälle.
- Zwischenprüfung: vor dem Praktikum, mindestens in Erster Hilfe und Gerätelehre, mündlich oder schriftlich.
- Praktikum (160 Stunden): im Rettungsdienst, unter Anleitung erfahrener Kolleginnen und Kollegen.
- Kommissionelle Abschlussprüfung: drei mündliche Teilprüfungen vor einer Prüfungskommission, mit mindestens zwei praktischen Fällen.
Die Zwischenprüfung
Wer ins Praktikum will, braucht die Theorie in „Erste Hilfe und erweiterte Erste Hilfe“ und „Gerätelehre und Sanitätstechnik“ sowie eine bestandene Zwischenprüfung (San-AV § 11). Geprüft werden Wissen und praktische Fertigkeiten, mündlich oder schriftlich, durch die Lehrkräfte dieser Fächer. Die Ausbildungsstätte kann weitere Fächer dazunehmen.
Das Ergebnis lautet „bestanden“ oder „nicht bestanden“. Ein nicht bestandenes Fach darf einmal wiederholt werden, frühestens nach einer Woche (San-AV §§ 15 bis 17). Den Termin erfährst du gleich zu Beginn der Ausbildung.
Das Praktikum
Im Praktikum setzt du die Theorie im Einsatz um, angeleitet von Praxisanleiterinnen und Praxisanleitern, die höchstens zwei Auszubildende gleichzeitig betreuen. Du führst Aufzeichnungen über deine Tätigkeiten, die mit einer Kurzbeurteilung abgezeichnet werden. Am Ende steht wieder „bestanden“ oder „nicht bestanden“ (San-AV §§ 19 bis 21).
Die kommissionelle Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung findet an einem Termin statt und besteht aus drei mündlichen Teilprüfungen (San-AV §§ 23, 25, 26):
- Sanitätshilfe – Anatomie und Physiologie, Hygiene, Störungen der Vitalfunktionen, Notfälle bei Krankheiten und Verletzungen, Erste Hilfe einschließlich Defibrillation mit dem halbautomatischen Defibrillator,
- Gerätelehre und Sanitätstechnik,
- Rettungswesen samt rechtlichen Grundlagen, Katastrophen, Großschadensereignissen und Gefahrgutunfällen.
Dazu wird dein Wissen an mindestens zwei praktischen Fällen „umfassend und integrierend“ geprüft. Wie das abläuft und wie du dich darauf vorbereitest, steht auf der Seite Die praktische Prüfung.
Jede Teilprüfung wird einzeln benotet, von „sehr gut“ (1) bis „nicht genügend“ (5); bestanden ist sie mit 1 bis 4. Aus den Noten ergibt sich die Gesamtbeurteilung: „mit ausgezeichnetem Erfolg“, „mit gutem Erfolg“, „mit Erfolg bestanden“ oder „nicht bestanden“ (San-AV §§ 28, 29). Eine Teilprüfung mit „nicht genügend“ darf höchstens zweimal wiederholt werden, die erste Wiederholung innerhalb von acht Wochen (San-AV § 31).
Dein Lernplan in sechs Schritten
Schritt 1: In der Theorie jeden Tag wiederholen
Im Kurs kommt jeden Tag neuer Stoff dazu. Wer abends 20 bis 30 Minuten wiederholt, muss vor der Prüfung nicht alles neu lernen. Lies die Lernseite zum Thema des Tages und beantworte danach die Fragen dazu. Was falsch war, legt dir die Wiederholung in den nächsten Tagen von selbst wieder vor.
Schritt 2: Vor der Zwischenprüfung Erste Hilfe und Gerätelehre festigen
Arbeite die Kapitel Erste Hilfe und Gerätelehre vollständig durch. Übe Abläufe so, dass du sie in der richtigen Reihenfolge laut erklären kannst: Patientenbeurteilung, stabile Seitenlage, Druckverband, Sauerstoffgabe, Absaugen, Trage und Vakuummatratze. Unter „Prüfung – Kapitel auswählen“ stellst du dir aus beiden Kapiteln eine eigene Probeprüfung zusammen.
Schritt 3: Im Praktikum Theorie und Einsatz verbinden
Nach jedem Dienst lohnt sich ein kurzer Rückblick: Welche Einsätze hattest du, was war neu, was war unklar? Lies die passende Lernseite nach und geh das ähnlichste Fallbeispiel durch. Fragen, die offenbleiben, notierst du für die nächste Schicht mit deiner Praxisanleitung.
Schritt 4: Vier Wochen vorher den ganzen Stoff durchgehen
Jetzt kommt jedes Kapitel noch einmal an die Reihe. Die Statistik zeigt dir, wo die Trefferquote niedrig ist – dort beginnst du. Besonders oft gefragt: Normwerte der Vitalfunktionen, Wiederbelebung nach den aktuellen Leitlinien, Schock, Atemnot, Brustschmerz, Schlaganfall, Trauma und Wirbelsäule, Berufspflichten, Revers und Patientenverfügung.
Schritt 5: Zwei Wochen vorher Probeläufe und Fälle
Schreib die Probeläufe zur Abschlussprüfung: drei Teilprüfungen, danach zwei Einsatzlagen, mit Zeitlimit. Sprich die Einsatzlagen laut durch – am besten zu zweit, eine Person liest die Lage vor und sagt Befunde an, die andere arbeitet nach Schema ab. Die Prüfung ist mündlich; wer Antworten nur im Kopf formuliert, merkt erst vor der Kommission, wo es hakt.
Schritt 6: Die letzten Tage
Keine neuen Themen mehr. Wiederhole nur, was fällig ist, und lies die Unterlagen deiner Ausbildungsstätte quer – dort steht, was dein Kurs betont hat. Am Vortag früh schlafen; was auf der Einladung zum Mitbringen steht, schon am Abend herrichten.
So antwortest du vor der Kommission
Alle drei Teilprüfungen sind mündlich. Mit einer festen Gliederung fällt es leichter, vollständig zu antworten und nichts zu vergessen:
- Notfälle: kurz erklären, was es ist – dann Ursachen, Symptome, Gefahren und Komplikationen, zuletzt die Maßnahmen in der Reihenfolge, in der du sie setzt.
- „Nennen Sie …“: zuerst sagen, wie viele es sind („Es gibt vier Schockformen …“), dann aufzählen.
- Abläufe: Schritt für Schritt, mit einem Satz, warum der Schritt nötig ist.
- Zahlen: genau nennen – Normwerte, Sauerstoffmengen, Kompressionstiefe und -frequenz.
- Unsicher? Nachfragen, wie die Frage gemeint ist, oder sagen, wie du im Einsatz vorgehen würdest. Raten, ohne es zu sagen, kostet mehr.
Mit SanTrainer üben
- Über 400 Prüfungsfragen in 13 Kapiteln nach den Fächern der Ausbildung, jede mit einer Erklärung, die als mündliche Musterantwort taugt,
- Lernseiten zum Nachlesen, Kapitel für Kapitel,
- 12 Einsatzlagen wie im praktischen Teil, mit Fragen in der Reihenfolge der Versorgung,
- sechs Probeläufe im Aufbau der Abschlussprüfung,
- eine Wiederholung, die vorlegt, was gerade wackelt, und eine Statistik je Kapitel.
Alles kostenlos. Lernkonto anlegen und mit dem Kapitel beginnen, das im Kurs gerade dran ist.
Grundlage: Sanitäter-Ausbildungsverordnung (San-AV), geltende Fassung im Rechtsinformationssystem des Bundes, Stand November 2026. Termine, Prüfungsform und Schwerpunkte legt deine Ausbildungsstätte fest.