Ratgeber

Die praktische Prüfung zum Rettungssanitäter

Wie die praktischen Fälle in der Abschlussprüfung geprüft werden, nach welchem Schema du einen Fall abarbeitest und welche Fehler am häufigsten passieren.

Was die Verordnung vorschreibt

In der kommissionellen Abschlussprüfung wird dein Wissen „auch an mindestens zwei praktischen Fällen umfassend und integrierend“ geprüft (San-AV § 25 Abs. 2). Die Fälle gehören zu den drei mündlichen Teilprüfungen, die einzeln benotet werden; eine eigene Note nur für die Praxis sieht die Verordnung nicht vor. Fragen stellen dürfen die prüfenden Lehrkräfte, der Vorsitz der Kommission und die vom Landeshauptmann entsandte fachkundige Person (San-AV § 27).

Wie die Fälle im Einzelnen gestellt werden, legt deine Ausbildungsstätte fest. Häufig versorgen zwei Prüflinge gemeinsam eine gespielte Notfallperson oder eine Übungspuppe. Die Prüfenden schildern die Lage, sagen Befunde an, wenn du sie erhebst, und fragen nach, warum du etwas tust.

Typische Fälle

Geprüft wird, was im Rettungsdienst häufig oder besonders gefährlich ist. Zum Beispiel:

  • Kreislaufstillstand bei Erwachsenen mit Defibrillator, Wiederbelebung bei Kind oder Säugling,
  • Brustschmerz, Atemnot, Schlaganfall, Unterzuckerung, Krampfanfall, allergische Reaktion,
  • Sturz oder Verkehrsunfall mit Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung, Motorradunfall mit Helmabnahme,
  • starke Blutung, Amputationsverletzung, Verbrennung, Knochenbruch,
  • Bewusstlosigkeit unklarer Ursache, Geburt, Notfälle bei alten Menschen.

Zu allen diesen Lagen gibt es auf SanTrainer eine Einsatzlage oder eine Lernseite.

Das Schema: so arbeitest du jeden Fall ab

Die Kommission will sehen, dass du strukturiert vorgehst. Dieselbe Reihenfolge passt auf jeden Fall – und sie bewahrt dich davor, unter Druck etwas Wichtiges zu überspringen.

  1. Sicherheit und Lage: Eigenschutz (Handschuhe), Gefahren an der Einsatzstelle, Zahl der Betroffenen, Unfallhergang. Braucht es weitere Kräfte?
  2. Ersteindruck: Wie wirkt die Person, reagiert sie? Kritisch oder nicht kritisch – laut aussprechen.
  3. x – lebensbedrohliche Blutung sofort stillen.
  4. A – Atemwege frei? Bei Trauma die Halswirbelsäule mitdenken.
  5. B – Atmung: Frequenz, Tiefe, Geräusche, Sauerstoffsättigung. Sauerstoff nach Indikation.
  6. C – Kreislauf: Puls, Haut, Rekapillarisierung, Blutdruck, versteckte Blutungen.
  7. D – Defizite: Bewusstsein, Pupillen, FAST, Blutzucker.
  8. E – erweiterte Untersuchung von Kopf bis Fuß, Umgebung, Wärmeerhalt.
  9. SAMPLE-Anamnese, sobald die Vitalfunktionen gesichert sind.
  10. Entscheiden: Notarzt nachfordern? Lagerung, Transportart, Zielkrankenhaus.
  11. Übergabe nach Schema, zum Beispiel ABS: Aufnahme-, Begleit- und Sozialinformation.

Ein gefundenes Problem behebst du sofort und gehst erst dann weiter. Nach jeder Maßnahme und bei jeder Veränderung beginnt die Beurteilung von vorn.

Worauf es ankommt

  • Laut denken. Sag an, was du prüfst, was du findest und was du daraus schließt. Was du nicht aussprichst, kann niemand bewerten.
  • Prioritäten. Lebensbedrohliches zuerst, Anamnese und Details danach. Bei einem kritischen Patienten nur das Nötigste vor Ort und rasch transportieren.
  • Begründen. Zu jeder Maßnahme ein kurzer Satz, warum – etwa „Oberkörper hoch, weil er so leichter atmet“.
  • Teamarbeit. Aufgaben klar verteilen, Anweisungen wiederholen lassen und zurückmelden, wenn sie erledigt sind.
  • Mit der Person reden. Vorstellen, erklären, was du tust, beruhigen – auch wenn es eine Übungspuppe ist.
  • Handgriffe sicher. Blutdruck messen, Sauerstoff geben, absaugen, beatmen, Defibrillator, Druckverband, Vakuummatratze, Helmabnahme.

Häufige Fehler

  • Handschuhe und Eigenschutz vergessen, weil es gleich losgehen soll.
  • Mit der Anamnese beginnen, bevor A, B und C geprüft sind.
  • Bei Bewusstseinsstörung den Blutzucker nicht messen.
  • Nach einer Maßnahme nicht neu beurteilen.
  • Den Notarzt zu spät nachfordern.
  • Wärmeerhalt vergessen, vor allem bei Trauma und bei Kindern.
  • Still arbeiten: Die Kommission sieht die Hände, aber nicht die Gedanken.
  • Die Partnerin oder den Partner übergehen, statt Aufgaben zu verteilen.

So übst du die Fälle

Im Kapitel Fallbeispiele findest du zwölf Einsatzlagen, jeweils mit Fragen in der Reihenfolge der Versorgung – Ersteindruck, xABCDE, Maßnahmen, Transport, Übergabe. Am meisten bringt es zu zweit: Eine Person liest die Lage vor und sagt Befunde an, die andere arbeitet laut nach Schema ab. Danach beantwortet ihr die Fragen und vergleicht mit den Erklärungen. In den Probeläufen zur Abschlussprüfung stehen am Ende immer zwei Einsatzlagen.

Im Lernbereich gibt es dazu eigene Lernseiten: den Lernplan, das Schema für einen Fall, die Arbeit im Zweierteam, die Handgriffe für die Prüfung und das mündliche Antworten.

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Grundlage: Sanitäter-Ausbildungsverordnung (San-AV) §§ 23 bis 29, geltende Fassung im Rechtsinformationssystem des Bundes, Stand November 2026. Wie die praktischen Fälle gestellt werden, legt deine Ausbildungsstätte fest; im Einsatz gelten ihre Vorgaben und die aktuellen Leitlinien.